SABA Meersburg 8 Automatic

Mammutprojekt mit Problemgarantie

Ich ergatterte einen gut erhaltenen Saba Meersburg 8 Automatic. Das Gerät war äußerlich in einem brauchbaren Zustand, hatte aber keine Funktion.
Nun ein Saba-Automat ist es immer wert, danach zu sehen. Immerhin war so etwas in den 50ern echte Hochtechnologie.

Bestandsaufnahme:

Gehäuse gut. Messingscheibe am Lautstärkeknopf verschwunden.
Netzstecker verbastelt, also der Netzschalter defekt. Fast normal.
Innen feiner Staub. Keine Raucherspuren.
Es scheint, als wäre der Apparat zur Restaurierung geeignet.

Also denn, beim Kollegen Wolfgang das Reparaturgestell ausborgen.
Saba-Chassis sind absolut unhandlich, gewaltig schwer und können nicht einfach so auf den Tisch gelegt werden.

Zuerst wechseln wir mal den Netzstecker.
Das verbastelte Ding sieht furchtbar aus und muß weg.
Dann kommt das Chassis aus dem Gehäuse und wird auf das Reparaturgestell montiert.


Jetzt kann man es beliebig schwenken und von allen Seiten bearbeiten.
Der nächste wichtige Helfer ist der Staubsauger und ein Borstenpinsel. Grob reinigen ist angesagt.
Damit ist der erste Abend verbracht. Es werden noch viele folgen…

Reinigung und Optik:

Alle Knöpfe und Tasten werden abgenommen. Blenden, Einstellräder und Skalenscheibe werden entfernt. Außer der Skalenscheibe wird alles mit dem bekannten „Frosch“-Fettlöser fein gereinigt. Eine Zahnbürste leistet hier gute Dienste.


Die Skalenscheibe wird nur von der Bedienerseite mit Glasreiniger behandelt. Die Innenseite ist bedruckt und sehr empfindlich. Hier muß extreme Vorsicht herrschen.
Höchstens mal mit einem Hauch Reiniger darf ein Tuch befeuchtet sein. Feste drücken und reiben ist Tabu.
Für die fehlende Messingscheibe am Lautstärkeregler ist kein Ersatz da.
Im Online-Auktionshaus ergattere ich einen völlig überteuerten Ersatzknopf.

Erster Test:

Noch ist kein Bauteil gewechselt, aber ich stecke den Netzstecker ein.
Mit höchster Vorsicht beobachte ich das Chassis: Kein Licht, kein Brumm, keine Röhrenheizung.
OK, also Netzschalter betätigen…
Aha! Typisch Saba: 5 mal Drücken, nichts passiert, beim sechsten mal ist Licht! Netzschalter muß gewechselt werden. Darin sind kleine Schaltnocken, die bei jedem Tasten weitergetaktet werden. Wenn da Kontakte abbrechen, macht der Saba genau so etwas.
Aber nun haben wir Licht und die Röhren heizen…
Nach einer Minute etwa kommt sogar ein schwacher Ton heraus.
UKW-Empfang schwach, Mittel- Lang- und Kurzwelle gar nichts.
TA-Anschluß leise.

Kondensatorkur:

Jetzt beginnt die Arbeit erst richtig. Eine Menge Kondensatoren werden gewechselt.
WIMA-Bonbons und Teerkondensatoren.
20… 30… viele…
Damit vergeht wieder eine Woche, denn es ist eine richtige „Fuddelarbeit“, die Dinger zu finden und Ersatz genau an die gleiche Stelle zu löten.


Der Motorkondensator, der auf dem Chassis prominent zu sehen ist, wird ausgebaut und erhält eine Sonderbehandlung.

Motorkondensator: Restaurieren auf anderem Niveau.

Der Motorkondensator hat eine wichtige Funktion beim Suchlauf, der den Saba so besonders macht.
Zuerst wird er mechanisch vermessen: Er hat 25mm Durchmesser und ist 6 Zentimeter lang. Ich nehme ihn auseinander, denn ich benötige das Papier, mit dem er beschriftet ist.
Dann besorge ich schwarzen Heißleim und ein Pertinaxröhrchen mit den passenden Maßen (Nochmal Dank an Wolfgang).
Aus meinem Sortiment neuer Kondensatoren baue ich den genau passenden Wert von 0,4µF zusammen. Wichtig ist auch, ausreichend spannungsfeste Typen zu wählen.
Ich benutze neue Kondensatoren, die 1000 Volt vertragen.
Sie werden zusammengelötet und in das Pertinaxrohr gesteckt. Dann verfülle ich das Ganze mit schwarzem Heißleim.
Nun wird das Ganze mit einem einfachen Eddingstift schwarz bemalt und das originale Etikett mit Weißleim aufgeklebt.
Über dem Etikett hatte Saba noch ein dünnes Transparentpapier verbaut, das dem Etikett Schutz bot.
Ich habe dieses Material auch aufgehoben und mit Tapetenkleister wieder über das Etikett geklebt.
Nun sieht der Kondensator aus, als wäre er von 1957. Nur ist er eben neuwertig.

Tastenbirnchen:

Immer wieder auch ein Probem: Die beleuchteten Saba-Tasten.
Ich habe die alten Birnchen ausgebaut. Beschriftung unleserlich. Aber da war was…
Laut Schaltplan sind sie an der Heizspannung angeschlossen und werden durch Drücken der jeweiligen Taste eingeschaltet. Es müssen also 6,3 Volt-Birnchen sein. Puh… Und es sind E5 Sockel an den kleinen Dingern. Puppenhausbirnchen!
Messen wir also mal, welchen Strom das einzige noch funktionierende Original bei 6,3 Volt zieht: Etwas über 60 Milliampere. Gut. Problem gelöst…
Auch hier hilft das Internet. E5-Birnchen mit 6 Volt und 50 Milliampere passen gut. Ersatz kommt binnen dreier Tage.

Nunja. Ganz so einfach ist es eben nicht.
Ich habe vorher etwas mit Zahlen gespielt.
Und die Originale waren 8,5 Volt-Birnchen. Das hat nur Stunden nach der Veröffentlichung dieser Reparaturbeschreibung auch dazu geführt, hier weiter zu schreiben.
Kollege Dietmar hat mir einen Schaltplanauszug geschickt:

Wir sehen 8,5 Volt und 0,15 Ampere bei den Tastenbirnchen.
Also mal rechnen: Bei diesen Angaben soll so ein Birnchen 56,6 Ohm haben (U / I = R). Das macht bei 6 Volt 105,8 mA (U / R = I). Zusammen sind das 0,63 Watt (U x I = P).
Hoppela, was ist hier falsch?
Genau ich habe etwas über 60 mA gemessen… Das muß noch überprüft werden…
Das 6 Volt, 0,05 Ampere Birnchen hat 0,3 Watt, also halb soviel Leistung.
Es wird kolportiert, dass man 8,5 Volt-Birnchen wegen der Wärmeentwicklung wählte. Man wollte nicht, dass die Tasten schmelzen.
Aber halbe Leistung ist auch deutlich weniger Wärmeentwicklung. Kann es also nicht sein.
Oder hatten die 8,5 Volt Birnchen einen stabileren Glühdraht, der den Erschütterungen beim Tastendruck besser standhielt? Kann sein.
Aber auch das erscheint mir nicht plausibel.
Oder sollten die Tasten gar nicht so hell leuchten? Hätte man mit den 50 mA-Birnchen auch geschafft.
Oder gab es so kleine Leistungen bei Birnchen gar nicht in den 50ern?
Fragen über Fragen.
Bleibt das Rätsel, warum die alten Herren im Schwarzwald so ungewöhnliche Birnchen verwendet haben.
Ich teste mit 6V 50mA.
Nach einem 12-Stunden Dauerlauf keine fühlbare Tastenerwärmung.
Ich denke, das „SABA-Birnchen-Problem“ dürfte mit den 6V 50mA Birnchen nun auch für die Zukunft gelöst sein.

Röhren:

Nun leuchtet wieder alles. Aber der Empfang ist immer noch sehr dünn. Auch die Automatik geht eher nicht.
Alle Röhren werden gemessen.

Holla die Waldfee! Alle kaputt. Teilweise nur noch 2% der Nominalleistung. Dass das Gerät überhaupt noch gedudelt hat ist ein Wunder!
Aber jetzt wirds auch etwas teurer. Alle Röhren neu? Immermal so zwischen 10 und 25 Euro das Stück.
Gut, wenns den sein muß…

Überraschung!

Der Elektronikversender aus Norddeutschland, bei dem ich öfters mal kaufe, hat außer der EM34 alle Typen auf Lager!
Ich werd irre: Radio Baujahr ’57 – ’58 und der hat alle Röhren? Und auch noch zu guten Preisen?
Nicht gezögert, bestellt!
Drei Tage später bin ich gut hundert Euro ärmer aber um neun Röhren reicher. Natürlich werden sie auch gemessen. Einwandfrei.

Testlauf:

Mit den neuen Röhren schalte ich den Apparat ein. Welch ein Genuß! Am hellen Tag kriege ich nen italienischen Langwellensender. Auf Kurzwelle redet wer chinesisch und die Mittelwelle ist auch da. UKW quillt fast über!
Nur der Suchlauf… Grrrr. Nicht schön.
Hier muß ich eine Entscheidung treffen. Mach ich es selber, oder geb ich es Wolfgang?
Der arme Kerl muß immer die Sabas reparieren und tut immer so, als hätte er keine Lust dazu. Ich denke, das ist nicht so, aber ich entscheide, das selbst zu machen.

Spannung:

Ich habe natürlich auch mal Spannungen gemessen.
Alles deutlich zu niedrig. Und der Gleichrichter wird warm.
Gut, dann kommt der halt auch noch dran.
Die Selenplättchen fliegen raus und vier neue UF4007 kommen rein. Die hatte ich noch da.


Nun sind die Spannungen etwas zu hoch. Aber das laß ich erstmal so.

Wo gehört ihr denn hin?

Also zum Abgleich der Automatic:
Ich schau erstmal alles genau an und besorge mir Literatur und Abgleichpläne. Ohne Wissen und Pläne hat man hier keine Chance. Eike Grund, ein Radiorestaurateur, hat ein Buch geschrieben, in dem er viel über den Suchlauf von Saba erklärt. Es ist unter der ISBN-Nummer 978-3-8330-0357-8 zu kriegen.
Über die GFGF-Schaltplansammlung kriege ich den Schalt-und Abgleichplan.
Aber mich traf noch eine Überraschung: Es klimperte im Automatikfilter.
Also schraubte ich den Aluminiumdeckel los und zog ihn ab.
Da lagen zwei dünne Ferritstäbe herum.
Ja, wo kommt Ihr denn her? Und wo gehört Ihr beiden denn hin?
Kleberspuren…
Ok, aber am Plastikgerüst des Filters nicht. Stecken die einfach irgendwo?
Glaub ich nicht. Und wo ist das Gegenstück zu den Kleberresten?
Ich verzweifle fast. Das Zeug muß doch nen sittlichen Nährwert haben. Die Alten Herren haben doch nichts umsonst verbaut. Nochdazu so etwas filigranes.
Ich will fast aufgeben, da finde ich die Gegenstücke zu den Kleberresten. Die Ferrite sind im Alukästchen eingeklebt!
Pattex beruhigt meine Nerven und hält nun die beiden Ferrite an ihrem angestammten Platz.
Filter zu und los…

Filterabgleich:

Gleich vorab. Geduld ist nötig. Aber es geht.
Man fängt bei AM an. An der Meßbuchse des Geräts werden Meßgeräte angeschlossen und ein Prüfsender liefert ein sicheres Signal. Einer der Kerne muß auf Spannungsmaximum, der andere steuert dann den Motor…
Zehn, fünfzehn Durchläufe später gehts plötzlich.
Ja, wenn man das dann mal richtig macht, gehts auch noch.
Nun auch bei FM. Klappt.
Puh… Zwei Stunden Probelauf für das Chassis und Mittagspause für mich.

Gehäuse:

Nach meinem Mittagsschlaf hole ich das Gehäuse des Saba hervor. Einige kleine Macken aber nichts ernstes. „Poliboy Möbelpolitur dunkel“ ist schon bei meiner Großmutter bekannt gewesen und tut auch hier gute Dienste. Ich habe immer zwei Flaschen da.
Chassis ins Gehäuse, Lautsprecher wieder anschließen und…
Verdammt, wohin mit dem Kasten? Der ist ja riesig. Und schwer. Und groß. Und…

Gut, da ins Regal. Strom ins Regal verlegen. Böden umstecken. Radio rein…


Fertig.

Wirklich fertig?

Natürlich nicht.
Netzschalter und Magisches Auge. Schon vergessen?
Das Magische Auge ist eine Röhre vom Typ EM34. Es gibt Ersatz aus Rußland. Will ich aber nicht. Es soll ein Original sein. Der Unterschied ist zu sehen. Die russische Röhre hat nur einen Anzeigewinkel, das Original hat zwei.
Bei Jan heißts „Auf Anfrage“. Das bedeutet nichts Gutes. Das bekannte Auktionshaus im Internet kommt mit Preisen jenseits der 130 daher. Ah, auch Jan. Ok, also dort kosten sie soviel. Aber Jan ist auch vertrauenswürdig. Sonst nur russischer Ersatz.
Eine Stunde Google und viele gelesene Internetseiten später: Es gibt scheinbar keine EM34 mehr für Preise unter 100 Euro. Also warten wir, bis wir wieder Geld haben.
Schaun wir solang nach dem Netzschalter.
Laut Schaltplan wird zweipolig abgeschaltet.
Mist.
Doppelmist.
Inter Bär stellt Schalter in dieser Bauform noch her. Unter der EAN-Nummer 4011644003599 kann man sie kaufen. Aber die sind einpolig. Wieder Googlesuche….
Noch ne Stunde später.
Nix zu finden. Warten wirs ab und suchen regelmäßig im Internet…

Nachtrag:

EM34 gefunden!
Ich habe eine brauchbare EM34 gefunden und eingebaut. Sieht viel besser aus.
Aber diese neue Röhre hat mich auch etwas verwirrt. Sie hat am Sockel einen Wackelkontakt. Lassen wir aber erst einmal sein. Momentan geht sie. Wenn sie nicht mehr will, muß sie eben neu gesockelt werden.

Und wenn ich dem Schaltpan folge, ist es auch nicht schlimm, nur einpolig abzuschalten. Ich werde also demnächst einen der einpoligen Schalter beschaffen…

Man sieht: Baustelle ohne Ende…

3 Gedanken zu “SABA Meersburg 8 Automatic”

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