Grundig Wobbelsender WS 3

Restaurierung eines Grundig Wobbelsenders WS 3

Wenn man sich mit der Reparatur und Restaurierung von alten Radios und Fernsehgeräten beschäftigt, ist so manches Messgerät sehr hilfreich. Schon lange habe ich Ausschau nach einem Wobbelsender zum Abgleich von ZF-Filtern und Durchlasskurven gehalten. Oft werden alte Geräte zu astronomischen Preisen angeboten. Endlich hatte ich Glück und konnte ein günstiges Gerät erwerben, das Grundig WS 3. Der Frequenzbereich erstreckt sich von 4 – 800 MHz, also genau richtig für Radio- und Fernsehgeräte. Der WS 3 ist ca. 1963 gebaut worden und mit 6 Röhren bestückt. Neben dem Wobbler, ist ein Frequenzmarkengeber und ein Festmarkengenerator eingebaut.

Der erste Test

Das erworbene Gerät macht einen ordentlichen Eindruck und ist nicht verbastelt, vermutlich wurde es nie geöffnet. Nach der äußeren Reinigung des Gehäuses habe ich es erst einmal aufgeschraubt und das Innere mit Staubsauger und Pressluft gründlich gereinigt. Dann der erste Einschaltversuch: die Leistungsaufnahme ist in Ordnung, die Heizung der Röhren funktioniert, die Anodenspannung ist vorhanden und hat nur eine kleine Brummspannung. Es knallt und stinkt nicht. An den Ausgängen ist aber kein Signal messbar. Nun gut, es soll ja auch restauriert werden.

Die Reparatur

Nun folgte eine „Kondensator Kur“, wobei die Ladeelkos im Netzteil noch gut waren. Die Wobbelspannung wird aus dem Netztrafo gewonnen und über eine Phasenschieber Schaltung den nachfolgenden Schaltungsteilen zugeführt. Hier konnte man deutlich sehen , was defekte Kondensatoren anrichten können. Beide Trimmpotis zur Einstellung der Phasenlage waren abgebrannt. Kondensatoren und Potis wurden ersetzt. Jetzt zeigt der Wobbelsender wieder alle Funktionen. Nur der durchstimmbare Markengenerator zeigt ein eigenartiges Verhalten. Mal verändert sich die Frequenz beim Abstimmen, mal bleibt sie unverändert. Die genaue Prüfung bringt eine gebrochene Kunststoffachse im Drekoantrieb zum Vorschein. Die Kunststoffachse wurde ersetzt und jetzt folgte die Frequenz dem Abstimmknopf. Zu guter Letzt wurden alle Schalter gereinigt und die Wellen mit einen Tropfen Öl geschmiert, die Frequenzeinstellungen mit einem Zähler und Testempfänger kontrolliert. Nun kann das Gerät wieder eingesetzt werden!

Blick in die Technik

Interessant ist, wie die Frequenzänderung für den Wobbler ausgeführt wurde. Im VHF Bereich (4 – 230 MHz) wird durch Veränderung der Vormagnetisierung der Oszillatorspule der Frequenzhub erreicht. Im UHF Bereich (460 – 800 MHz) erfolgt die Wobbelung auf mechanischem Weg. Zwischen den Resonanzleitungen des UHF Oszillators taucht eine Schwingplatte ein, die von einem kleinen Lautsprechersystem angetrieben wird. Durch Änderung der Eintauchtiefe wird die Kapazität zwischen den beiden Resonanzleitungen verändert und so die Oszillatorfrequenz moduliert. Da kann man nur staunen, was vor der Erfindung der Kapazitätsdiode alles möglich war. Das Tolle ist, es funktioniert immer noch!

5 Gedanken zu “Grundig Wobbelsender WS 3”

  1. Habe auch einen solchen WS3 erstehen können.. Auch hier waren die Elkos wohl platt… Ist noch nicht ganz fertig.. Haben Sie dazu noch irgendwelche Reparaturanweisungen oder ähnliches?? Und welche Kondensatoren Typen haben Sie als Ersatz genommen?? Auch bei den Potis? Im Netz findet sich ja so rein gar nichts… Vor allem was hatte dieser WS3 für ein Zubehör seinerzeit..? Symmetrieglied (nur für UHF bzw TV oder was war für UKW Radio dabei?)? Zuleitungen zum Oszi? Messdiode?? Wäre echt toll, wenn ich Hinweise, oder Unterlagen bekommen könnte, die auf Radiomuseum.org, taugen Qualitativ nichts..

    DANKE!

      1. Die Antwort des Radiodoktors soll hier nochmal für alle Interessierten veröffentlicht werden:
        „Hallo lieber Radiofreund,

        ich freue mich, dass Sie auch einen WS3 restaurieren. Ersetzt habe ich neben den Elkos alle Papierwickel Kondensatoren. Das sind die lieben Teile, die an beiden Seiten mit Teer oder ähnlichem zugegossen sind. Metallpapier Kondensatoren mutieren, durch eindringende Feuchtigkeit, zu Widerständen, d.h. sie werden leitfähig! Alle diese Kondensatoren wurden durch Styroflex Kondensatoren mit gleichem Wert aber 650V Spannungsfestigkeit ersetzt. Die frequenzbestimmenden Kondensatoren sind keramische Typen und waren alle in Ordnung.

        C61 C66 sowie C68 C70 sollen laut Schaltplan 400V Spannungsfestigkeit haben. Das war mir auf Grund der Zerstörung der beiden Potis zu niedrig. Ich habe hier 1000V MKT Typen eingebaut. Die beiden Trimmpotentiometer R22 R25 wurden durch ähnliche Typen ersetzt. Zusätzlich wurde je ein 1k Widerstand in Reihe zu den Potis eingebaut. Dadurch wird der Strom begrenzt, wenn das Porti fast auf null gestellt ist (Sicherheit beim Einstellen des WS3).

        Noch eine Anmerkung zur Umschaltung VHF UHF: Ich habe das Ausgangssignal mit dem Oszi beobachtet, umgeschaltet und keine Änderung gesehen. Habe lange gesucht, auch in der Bedienungsanleitung stand nichts. Beide Oszillatoren sind ohne Umschaltung über eine Weiche am Ausgang angeschlossen. Die Umschaltung erfolgt über die Heizung der beiden Oszillatoren. Nach dem Umschalten ist der zuvor benutzte Oszillator noch warm und läuft weiter. Der neu angewählt muss erst aufgeheizt werden. Wenn man lange genug wartet geht alles!

        Zu Ihrer Frage des Zubehörs: Hier habe ich ihnen ein Grundig Prospekt beigefügt in dem die Kabel recht gut beschrieben sind. Ich habe mir je eine FS UHF/VHF und eine Radio UKW/MW Weiche besorgt, die von 75Ohm Coax auf 240symetrisch transformieren. Diese Teile waren ja früher an den FS und Radiogeräten üblich.

        Den Demodulator Tastkopf habe ich selbst gebaut, ebenso die Kabel zum Oszillograf. Bei meinem Gerät waren auch nur wenige Kabelfragmente dabei. Das Signal vom Demodulator Tastkopf wird wieder in den WS3 zurückgeführt und hier werden die Referenzmarken hinzugefügt. Dann geht es zum Y-Eingang des Oszillografen. Dadurch sind die Pegel der Eichmarken unabhängig vom Messobjekt.

        Ein weiteres Hilfsmittel um die ZF direkt einkoppeln zu können habe ich mir aus einem Röhren Abschirmbecher gebaut. Der Alubecher hat an der Seite ein kleines Loch für den Anschluss des Coax Innenleiters bekommen. Dann wurde der Becher innen mit einer Lage Papier isoliert. Da hinein kam ein Messingblech, des mit dem Coax Innenleiter verbunden wurde. Das Coaxkabel wird mit dem Ausgang des Wobbelsenders verbunden. Diese Booster Kappe kann nun über die Mischröhre gestülpt werden und koppelt kapazitiv die ZF ein.

        [Im Anhang füge ich Ihnen bei:

        Grundig Prospekt (wird nachgeschickt)

        Schaltplan

        Bedienungsanleitung

        Foto Kabel für Wobbelgenerator

        Foto Boostbecher Wobbelgenerator ]

        Ich hoffe einige Fragen konnten beantwortet werden. Gerne können Sie mich auch anrufen unter xxxxx. Am Telefon lassen sich manche Dinge schneller klären.

        Viel Spaß beim Restaurieren

        Gerold Welzel
        Aus der Radioklinik Linsengericht“

        1. Hallo Gerold. Können Sie mir bitte bei Gelegenheit, mal mitteilen, wo Sie die 50 und 100K Potis erstanden haben, bzw. welche Ausführung? Es müssen ja mindestens einige Watt darüber laufen können, und billige Plastikpotis mag ich nicht nehmen, und seit dem Wegfall von Preh, kann man ja nur noch die teueren von Alps nehmen… Danke!

          Gerne auch per Mail.

          K.L

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