Kapsch UKW Star 1960

Restaurierung eines Kapsch UKW Star von 1960

Das Gerät mit der Nr. 100 der Radioklinik soll repariert werden. Es ist eines der ersten Transistor Kofferradios mit UKW, ein Kapsch UKW Star von 1960, hergestellt in Wien. Der optische Zustand ist sehr gut. Eigentlich möchten wir Röhrenradios zu neuem Leben erwecken, doch gelegentlich gibt es auch solche transistorisierten Schätzchen, die historisch recht interessant sind.

Nicht viel kaputt… Irrtum!

Ich habe das Gerät zum Reparieren mit nach Hause genommen und dachte, da kann ja nicht viel kaputt sein. Doch weit gefehlt. Zuerst unter Beobachtung der Stromaufnahme vorsichtig eingeschaltet. Gar keine Funktion erkennbar, nicht einmal Rauschen des NF Teils. Nach dem Austausch von 14 verdächtigen Elkos spielte der NF Zweig, aber leider nur mit starken Verzerrungen.
Im NF Teil fand sich ein Poti, doch damit konnte keine Besserung eingestellt werden.
Oh, im Schaltplan gibt es das Poti gar nicht!
Hier hatte wohl jemand versucht einen defekten Koppelelko durch ein zusätzliches Poti zu kompensieren. Jetzt, mit neuen Elkos, war das mehr als überflüssig.
Alles wieder in den originalen Zustand zurück gebaut, die Spannungen an den NF Transistoren kontrolliert und siehe da, der NF Zweig funktioniert wieder verzerrungsfrei.

Kein Radioempfang!

Doch an Rundfunkempfang ist nicht zu denken. Ganz schwach ist ein UKW Sender zu hören.
Das Oszilloskop bringt etwas Licht ins Dunkle.
Die ZF Stufen haben eine Verstärkung < 1. So kann das ja nicht gehen.
Die eingesetzten Transistoren OC170 sind dafür bekannt, auf Grund des Alters kaputt zu gehen (Whisker Bildung).
Nach den originalen Transistoren Ausschau zu halten, macht wegen dieses Fehlers keinen Sinn.
Als Ersatz besorgte ich AF125 und möchte sie einbauen. Doch wie kommt man an die Transistoren? Das Radio ist noch wie ein Röhrenradio aufgebaut.  Die ZF Transistoren stecken in Gummibuchsen im Metallchassis und unten sind die Bauteile in normaler Verdrahtung angeschlossen.
Nachdem zwei Lagen Bauteile abgelötet waren, kommt man an die Transistoranschlüsse.
Alles wieder mit den neuen Transistoren an seinen Platz zurück, nun geht der UKW Teil wieder sehr gut.
Aber auf den AM Bereichen läuft nichts.
Das Skope zeigt, der Oszillator schwingt, auch die Frequenz ist richtig – nach langem Suchen, da ist es.
Ein Drähtchen an der Ferritantenne war abgebrochen und hat sich gut versteckt.
Wieder angelötet – und auch AM funktioniert jetzt wieder.

Geschafft!

Zu guter Letzt, die ZF Kreise für AM und FM wurden abgeglichen und siehe da, die Empfangsleistung kann durchaus mit einem heutigen guten Gerät mithalten.
Auch der Klang des Kapsch ist prima.
Nun noch die Potentiometer und Tastenkontakte gereinigt, den Dreko geschmiert, eine Taste angeklebt, neuen Schaumstoff für den Batteriehalter eingeklebt, Knöpfe, Skala und Gehäuse gereinigt.
Jetzt ist die Restaurierung abgeschlossen.
Es macht richtig Freude solch ein leistungsfähiges Gerät wieder zu hören.
Ich wünsche dem Besitzer noch viele schöne Stunden mit dem UKW Star.

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