Loewe Volksempfänger VE 301 W

Restaurierung eines Volksempfängers VE 301 W von Loewe

VE 301 sind noch reichlich vorhanden. Dieses Exemplar übte seinen Reiz aus, weil es sich zwar stark verstaubt, aber weitgehend unverbastelt präsentierte. Das Gehäuse ohne Sprünge und/oder Ausbrüchen, der Schallwandstoff zwar herunterhängend, aber komplett.

Zur Technik


Hier war eine komplette Extraktion nahezu aller Teile unumgänglich. Dies nicht zuletzt deshalb, um an den Kondensatorblock unterhalb von Spulenkäfig, Drehko und Netztrafo heranzukommen.

Der Spulenkäfig war schnell hergerichtet, Staub wegblasen, das war´s.
Was die Anschlüsse betrifft, leistet eine Handykamera gute Dienste, damit beim Zusammenbau alles wieder passt.

Der Drehkondensator

Die Herrichtung des Drehkos war hingegen weit aufwendiger.
Zunächst gangbar machen der Achsen, dann Prüfung der Kapazität und Grundreinigung. Hier war eine Einstellung der Platten erforderlich.
Danke an Wolfgang Ruf, der dies bewerkstelligt hast und damit der „Zinkpest“ ein Schnippchen schlagen konnte.

Trafo


Beim Netztrafo war ein kompletter Austausch der Zuleitungen erforderlich. Das immerhin gut 85 Jahre alte Kabelmaterial war an vielen Stellen brüchig und bot somit ein beträchtliches Sicherheitsrisiko.

Kondensatoren


Eine besondere Herausforderung war bei allen VE´s die Restaurierung des Kondensatorblocks.
Die Extrahierung des alten Elektrolytmaterials ist zeitraubend, aber mit viel Geduld zu machen. Der Einsatz von Wärme geht dabei gar nicht, weil die Deckplatte aus Pertinax mit Teer verklebt ist, Wärme wirkt dann eher kontraproduktiv. Gute Erfahrungen habe ich mit einem Teppichmesser gemacht, um den gesamten alten Kondensatorblock von den Wänden der Blechumhüllung zu lösen. Die Füllung mit neuen Kondensatoren ist dann reine Bastelarbeit, wobei normale Kondis zum Einsatz kamen, keine Elkos.
Was die übrigen einzeln verbauten Kondensatoren betrifft, wurden die historischen Fassungen mit neuen Kondensatoren neu befüllt, so dass sich die Technik optisch im Originalzustand präsentiert. Der 200 pF Kondensator (Quetscher) war übrigens in Ordnung, ohne Beanstandungen.
Das gilt auch für alle Widerstände.

Röhren


Die drei Röhren (RGN 354, REN 904 und RES 164) waren brauchbar, schwächelten aber in der Funktion, besonders die Triode REN 904 zeigten sich keine ordentlichen Werte.

Und was sonst noch war:

Der Wellenschalter (LW / MW) benötigte eine Reinigung.
Das Gehäuse ließ sich nach Grundreinigung mit mildem Geschirrspülmittel gut mit einem Lackreiniger aus der Automobilpflege aufpolieren. Der Schallwandstoff hat ein Bad mit Wollwaschmittel gut überstanden. Allerdings ist dabei größte Vorsicht geboten, damit sich das Stück Stoff nicht völlig auflöst. Im noch leicht feuchten Zustand wurde es dann wieder in das Gehäuse mit weißem Holzleim montiert. Da der Schallwandstoff knapp bemessen ist, muss beim Einkleben vorsichtig gespannt werden. Nach der endgültigen Trocknung sitzt der Stoff nahezu perfekt.
Lohn für die Mühe sind die überraschend guten Empfangseigenschaften auf MW. Abends sind zahlreiche ausländische Sender klar zu empfangen – nicht schlecht für ein Radio aus den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

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