Akkord Pinguette 59

Fehlersuche ohne klares Ergebnis aber mit Erfolg!

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Akkord Pinguette 59

Das Offenbacher Unternehmen Akkord zählte in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts zu den renommierten Anbietern von Kofferradios. Der Begriff eines „Koffers“ war dabei nahezu wörtlich zu nehmen. Viele Geräte dieser Marke verfügten über einen kofferähnlichen Sperrholzrahmen und oft bestand die Oberfläche aus einem lederähnlichem Bezug.

In den Anfangsjahren der Radioproduktion in der Offenbacher Manufaktur wurden für die Empfangstechnik Röhren verbaut – es gab zwar schon Transistoren, doch die Halbleiter waren teuer, zu teuer, um dieses damals als Luxusprodukt geltende Kofferradio damit zu bestücken.

Auf meinem Tisch landete im letzten Quartal 2020 eine Pinguette 59, rückblickend eines der späten mobilen Röhrenmodelle. Der äußere Zustand des Geräte konnte als „Sehr gut“ bis „Ausgezeichnet“ bewertet werden. Allerdings gab das Gerät keinen Pieps von sich. Die ersten Untersuchungen zeigten zudem, dass das Batteriefach rostfrei war, der Anschluss für die Anodenbatterie war noch rudimentär in Form eines Minuspols und eines abgeschnittenen Kabels für Plus vorhanden.

Zeitgleich wurden erst einmal die alten Kondensatoren ausgetauscht der Doppelelko (Siebung und Glättung) überprüft und alle Röhren auf ihren Zustand hin mit „WolfHenk sein Abberaat“, einem rechnergesteuerten Röhrenprüfgerät, gecheckt. Die Röhrenwinzlinge waren alle in Ordnung, was man von dem Elko nicht behaupten konnte. Die beiden Nennwerte von jeweils 1200uF wurden mit 1700uF bzw. deutlich darüber übertroffen. Ein klarer Hinweis, dass dieses Bauteil seine besten Zeiten hinter sich hatte, also Austausch.

Mit zwei Babyzellen und dem Nachbau einer Anodenbatterie (10 x 9V Block hintereinander geschaltet) startete ein erster Testlauf für den NF-Teil. Das ist bei der Pinguette insofern einfach, weil sie über einen TA-Eingang verfügt. Diese Buchsen für Bananenstecker funktionieren aber nur dann, wenn der Originalnetzstecker über eine zweite Buchsenleiste eine Brücke herstellt. Der Originalstecker war bereits angebrochen, und musste zu diesem Zweck mit Sekundenkleber und Isolierband in einen gebrauchsfähigen und elektrisch sicheren Zustand versetzt werden. Überdies war eine Kürzung der Netzzuleitung erforderlich, weil an zwei Stellen deutliche Verschleißerscheinungen und/oder Beschädigungen sichtbar waren, die sich bei Widerstandsmessungen bestätigten. Das häufige Knicken und die Durchführung am Gehäuse könnten als Ursache dafür in Betracht kommen.

Beim ersten Test gab es Töne, aber verzerrt. Besserung versprach eine Reinigung der „Schalterei“ und der Kontaktzungen, die für die Umschaltung von Netz- auf Batteriebetrieb zuständig sind – und natürlich umgekehrt. Beim Batteriebetrieb zeigte sich Besserung, die Widergabe war nahezu klar und sauber. Nach dem Umschalten auf Netz waren aber immer noch Verzerrung bei UKW und MW deutlich zu hören.

Jetzt begann eine intensive Fehlersuche: Gittervorspannung, Einstellung der Netz- (mit Stelltrafo) Heizungsspannung, Kontakte und auffällige Lötstellen – um nur einige Beispiel zu nennen. Zunächst trat keine Besserung ein. Nach dem Austausch der Endpentode (DL 96) war die Verzerrung beim Batteriebetrieb komplett weg, Empfang gut bis sehr gut. Jetzt umgeschaltet auf Netz: Verzerrung! Nochmals alle Kontakte gereinigt, Spannungen geprüft und wie durch ein Wunder: Verzerrung waren weg. Testhalber die ursprüngliche Endpentode wieder eingesetzt, keine Verzerrungen!

Zusammenfassung

Es konnte nicht mit Sicherheit geklärt werden, wodurch die Verzerrungen entstanden sind und was letztendlich zu ihrer Beseitigung geführt hat. Ein Verdacht bestand bedingt durch starke Schwankungen im Stromnetz, zwischen 230 und teilweise mehr als 242 Volt. Es Ist aber ebenfalls fraglich, ob dies wirklich die Ursache war. Der Effekt hätte dann gelegentlich wieder auftreten müssen. Die Empfangsleistungen sind als gut bis sehr gut zu bezeichnen, Mittelwelle natürlich nur während der Abendstunden. Das Radio ist jetzt ein attraktives, funktionsfähiges Sammlerstück. Das Attribut „alltagstauglich“ würde ich allerdings nicht vergeben, weil die Ursachenforschung für die Verzerrungen letztendlich ungeklärt blieben.

3 Gedanken zu “Akkord Pinguette 59”

    1. Hallo, Herr/Frau Brucker.

      Leider kann ich auch bei der GFGF keinen Schaltplan zum 58er Pinguin sehen, aber wenn ich den des 57er richtig interpretiere, sollte auch ohne Akku ein Netzbetrieb gehen. Natürlich werde in im Laufe unserer nächsten Online-Sitzung diese Frage nochmal an die Runde stellen und wenn ich falsch liege, das hier berichtigen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Wolfram Henkel

    2. Ja, auch das funktioniert einwandfrei. Übrigens: Die Pinguette 59 ist m.W. nicht für Akkus (2 x 1,5 Volt Monozellen) ausgelegt. Eine Ladefunktion gibt es nicht, und die Akkus (NiCa etc) liefern normalerweise 1,25 Volt, was eine neu Justage der Heizspannung erforderlich macht, beim Wechsel auf klassische Batterien wäre die Heizspannung dann deutlich zu hoch und mit dem Risiko behaftet, dass der Heizfaden der Röhren durchbrennt. Da sind die DL-Röhren sehr empfindlich!

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