Touring T40 Automatic Kofferradio

Reparaturbericht zu einem Schaub-Lorenz Touring T40 Automatic von Dietmar Ehrhard

Ein Museumsbesucher hatte uns ein Schaub-Lorenz Touring T40 Automatic Kofferradio überlassen.

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Mein Kollege Mathias wollte wissen, ob das Radio noch lebt. Er hat Batterien eingelegt und das gute Stück angeschaltet. Ja, es gibt noch etwas von sich, zwar leise mit sporadischen Kratzgeräuschen, aber immerhin. Da es äußerlich in einem dem Alter angemessenen Zustand ist, entschieden wir uns das Radio zu restaurieren. Mathias das Gehäuse und ich das Chassis.

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Die erste Inaugenscheinnahme des Innenlebens fiel erwartungsgemäß ernüchternd aus. Ist doch bei dieser Bauart ein kleiner Akku auf der Platine aufgelötet, um eine benötigte negative Vorspannung zu liefern. Wird dieses Touring T40 länger nicht eingeschaltet, kann sich dieser Akku tief entladen und defekt werden. Was wollen alle defekten Akkus und Batterien? – Richtig, das Innere muss nach außen! Die ätzende Substanz wütet dann entsprechend auf der Platine und geht auch mit den umliegenden Bauteilen nicht zimperlich um. Also erst einmal raus damit.

Beim erneuten Einschalten über ein Netzgerät zeigt sich, das durch den Betrieb mit Batterien nicht aufgefallen ist: Das 500 mA fließen. Das was man leise hörte, war wohl: „Spiel mir das Lied vom Tod“. Also ganz schnell wieder ausschalten! Irgendein Defekt sorgt für großen Hunger. Bei Zimmerlautstärke sollten genügsame ca. 25 mA ausreichen.

Mit einmal kurz darüber Wischen ist es also nicht getan. Aber wie sagen wir immer in der Radioklinik? Das kriegen wir hin!!!

Jetzt darf das Chassis des Touring T40 zum Wellness in die Badewanne. Mit Zahnbürste und einem kräftigen Reiniger lässt sich das Meiste lösen, der Rest wird trocken abgeschabt. Alle angegriffenen Leiterbahnen werden gelötet und mit Drahtbrücken versorgt. Defekte Widerstände und verdächtige Kondensatoren werden erneuert.

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Auch ein 10 nF Scheibenkondensator, der das Lager von Herrn Faraday zu Herrn Ohm gewechselt hatte und sich jetzt als Widerstand mit 42,9 Ohm präsentiert, wird erneuert.

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Der Akku wird durch eine spezielle Schaltung, bestehend aus einem Elektrolytkondensator und zwei Dioden, ersetzt, sodass die gewünschten minus 1,4 Volt zur Verfügung stehen.

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Da ich vermute, dass die Kratzgeräusche des Touring T40 vom Lautstärkeregler herrühren wird dieser mit Kontaktspray bearbeitet, in der Hoffnung, dass das Potentiometer sonst keinen Schaden hat. Bei der Gelegenheit werden noch zwei weitere Elektrolytkondensatoren, die sich im Labyrinth unter dem Potentiometer verstecken, mit Hilfe von Pinzetten und viel Geduld extrahiert und erneuert.

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Also wird das Gerät wieder eingeschaltet. Das Ergebnis ist ein noch leiserer Ton mit noch lauteren Kratzgeräuschen.

Die gute Nachricht: Der Lautstärkeregler ist nicht defekt. – Die schlechte Nachricht: Die Fehlersuche geht weiter.

Da die Transistoren in Fassungen stecken, lassen sie sich leicht zum Prüfen entnehmen. Bei einem Transistor kommt gleich ein Teil der Fassung mit. Nach dem Auslöten der Fassung sieht man das ganze Malheur. Unter der Fassung hat sich die ätzende Substanz des Akkus angesammelt.

Ich gehe davon aus, den kardinalen Fehler gefunden zu haben.

Die maroden Widerstände dürfen den Platz räumen.

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Die geplatzte Transistorfassung kann ich ersetzen, da ich noch wenige dieser seltenen vergoldeten Exemplare habe.

Die Transistoren haben ihre Prüfung mit sehr gut bestanden und dürfen wieder an ihren Platz zurück.

Und tatsächlich, nach Austausch der Fassung spielt das Touring T40 wieder einwandfrei.

Jetzt kann Mathias das Chassis wieder entgegennehmen und mit dem restaurierten Gehäuse vereinen.

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Nach dem Zusammenbau kommt die Funktionsprüfung gefolgt von dem angenehmen Teil der Aktion. – Einschalten, Sender suchen und einfach nur genießen. Zum Test noch einmal Abschalten. Der Schalter klickt. Aber was ist das? Dennoch hört man noch ganz leise Musik???

A b e r , manches Mal, ganz selten, eigentlich fast nie, zeigt sich ein neuer Fehler der einem den frühen wohlverdienten Genuss zunichte macht.

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Also kommt das Touring T40 noch einmal auf meinen Tisch. Das Potentiometer mit Schalter muss ausgebaut werden. Hätte der Fehler nicht früher sich zeigen können? Dann wären die zwei Elektrolytkondensatoren, die sich im Labyrinth unter dem Potentiometer verstecken ohne Mühe zu wechseln gewesen.

Der an dem Potentiometer verbaute Schalter wird abgebaut und geöffnet. Es ist mir immer wieder ein Rätsel wie in das geschlossene Schaltergehäuse so viel Dreck kommen kann. Da hilft nur alles kräftig reinigen, alle beweglichen Teile schmieren und wieder zusammenbauen.

Jetzt darf der Schalter wieder an das Potentiometer angebaut werden und das ganze zurück an seinen Platz. Der Schalter trennt nun mit einem deutlichen „Klick“ auch wieder die Batteriespannung.

Dem wohlverdienten Genuss mit dem Touring T40 steht jetzt hoffentlich nichts mehr im Weg.