Reparaturbericht zu einem Nora K69 Kofferradio von Hajo Vogler
Das Nora K69 ist ein besonderes Gerät. Es war einer der ersten Reisesuper in der Geschichte der Radiotechnik, ein echtes „Kofferradio“ im wahrsten Sinne des Wortes! Diese Rundfunkempfänger waren in den 1930er Jahren ein bedeutender technologischer Fortschritt.
Tragbare Radios wurden zu einem Symbol für die zunehmende Verbreitung des Rundfunks und der damit verbundenen Möglichkeit, Nachrichten, Musik und Unterhaltung überallhin mitzunehmen.

Das in Rede stehende Gerät wurde 1938 gebaut. Mithin hat es mehr als 85 Jahre „auf dem Buckel“. Das zeigt sich einerseits in der Technik und andererseits am Gehäuse, einer mit Kunstleder überzogenen Holzkonstruktion. Ein besonderes Schmankerl: Auf Knopfdruck öffnen sich die Fronttüren und geben den Weg frei, um an die Bedienelemente zu gelangen. Auch bei diesem Konstrukt war eine zeitaufwändige Wartung unabdingbar.
Aber der Reihe nach. Bei der Empfangstechnik des Nora K69 galt es zunächst die Röhren – sämtlich mit dem Außenkontaktsockel – auch als „Elefantenfuß“ bekannt – zu prüfen. Bis auf ein Exemplar (KB 2) waren alle in einem gebrauchsfähigen Zustand. KDD 1 und KC 3 sowie die KB 2 sind zum Schutz gegen Erschütterungen „im Filzbett“ gelagert. Was Kondensatoren und Widerstände betrifft, ist sehr wahrscheinlich im Laufe der vergangenen 80 Jahre das eine oder andere Teil ersetzt worden.

Es gab aber auch noch „Originalteile“ aus den 30er Jahren: Bei der allfälligen „Kondensatorkur“ wurde Wert daraufgelegt, die Originalgehäuse der Bauteile aus dem Nora K69 aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu erhalten und mit entsprechenden neuen Komponenten zu befüllen. Wo das nicht möglich war, wurde die Farbe so angepasst, damit sie sich harmonisch in das Umfeld einfügt. Damit bietet sich nach Beendigung dieses Arbeitsschrittes optisch ein Bild, das weitgehend dem Auslieferungszustand entspricht.

Etwas schwieriger gestaltete sich die Stromversorgung. Für den Betrieb des Radios wird neben einer speziellen Anodenbatterie zusätzlich eine Heizbatterie benötigt. Letztere liefert 2 Volt und für die Anodenspannung sind 120 Volt vorgesehen. Damit nicht genug, verfügte die in Rede stehende Anodenbatterie über zwei zusätzliche Anzapfungen für 4,5 Volt, jeweils Plus und Minus. Dieser Kunstgriff erlaubt die Erzeugung einer negativen Gittervorspannung.
Diese Batterie ist heute in dieser Form nicht mehr erhältlich. Als Hilfskonstruktion bietet sich die Anordnung von zwölf 9-Volt-Blockbatterien in Reihe an, verbunden mit einer 4,5 Volt Flachbatterie. Für den Heizstrom sorgt ein 2-Volt-Bleiakku. Mit einer entsprechenden Schaltung kann das Radio so mit der erforderlichen Energie versorgt werden, um die Röhren in Betrieb zu nehmen. Der 2-Volt-Bleiakku und die Batterien weisen zusammen ein beträchtliches Gewicht aus. „In voller Montur“ bringt das Nora-Kofferradio insgesamt stolze 14 Kilogramm auf die Waage.
Besonderer Dank gilt hier Wolfgang Ruf, der mir die Verdrahtung für die Stromversorgung (Heizung, Anode und negative Gittervorspannung) erklärt hat, damit ich sie in die Praxis umsetzen konnte.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die in der Rückwand des Nora K69 integrierte Rahmenantenne wieder in die nötige Struktur und die dafür vorgesehene Halterung überführt wurde. Für den Kurzwellenbetrieb ist eine separate Buchse vorgesehen, an die eine entsprechende Antenne, mindestens aber ein längeres Stück Kabel angeschlossen werden sollte.

Und was sonst noch repariert wurde: Die Kunststoffumrandung für Skalenscheibe und Drehknöpfe war an einer Stelle ausgebrochen und musste mit Feinspachtel ausgebessert werden. Der recht unansehnliche Schallwandstoff wurde erneuert und optisch dem ursprünglichen Aussehen angepasst.

Das gesamte Gehäuse des Nora K69 wurde an einigen Stellen ausgebessert. Besonders an den Ecken und Kanten war das Kunstleder zum Teil sehr stark ausgefranst. Auch die Flächen zeigten zahlreiche Gebrauchsspuren. Ein komplett neuer Bezug erschien wenig sinnvoll. Als Kompromiss erwies sich die Ausbesserung mit „flüssigem Leder“ als eine brauchbare Lösung. Den Abschluss bildete dann ein neuer Überzug mit schwarzem Lederspray. Die Scharniere für die Türen an der Front mussten sorgfältig abgeklebt werden, um das Eindringen von Lederspray zu verhindern.

Die 1930er Jahre waren eine Blütezeit für den Rundfunk. Kofferradios trugen dazu bei, dass mehr Menschen Zugang zu Informationen und Unterhaltung hatten, was die Popularität des Radios weiter steigerte. Die Tragbarkeit dieser Radios machte es möglich, dass Menschen beispielsweise bei Picknicks, im Park oder beim Camping Radio hören konnten. Diese Art von Mobilität trug zur Entstehung einer neuen Kultur des Hörens und Teilens von Musik und Nachrichten bei, auch wenn das Gewicht des „Koffers“ Nora K69 einschließlich der Batterien mit gut 13 Kilogramm doch recht beachtlich ist.
Das Kofferradio Nora K69 war auch die Basis für Rundfunkempfänger, die während des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht für die Truppenbetreuung eingesetzt wurden. So zum Beispiel bei der Luftwaffe der K32, der seine Verwandtschaft zum Nora K69 weder optisch noch technisch verheimlichen kann.
Das K32 steht übrigens funktionsfähig im Radio-Museum Linsengericht!


Kurzer Videovergleich, keine Hörprobe:
- Noch älter, funktioniert aber auch: Intona
- Hier erfahren Sie, welche Geräte die Radioklinik repariert.
- Klicken Sie hier für Informationen über das Radio-Museum Linsengericht e.V.