Reparaturbericht zu einem Pinguin U56 von Akkord von Dietmar Ehrhard

Mein Vereinskollege Mathias hat ein sehr schönes Röhren Kofferradio Pinguin U56 von Akkord. Sie waren seiner Zeit etwas ganz besonderes und sind es natürlich heute um so mehr. Das Chassis muss man mit Fingerspitzengefühl ausbauen, hängt doch ein Teil des Skalenseils am Chassis und ein Teil am Gehäuse. Oh, was sehe ich denn da. Die Ferritantenne ist gebrochen.

Einer meiner Vorgänger war entweder grobmotorisch veranlagt oder das gute Pinguin U56 hat einen Radioweitwurf hinter sich. Da müssen 2-Komponentenkleber und harte Bandagen her. Die Kunst ist jetzt nicht zu wenig und nicht zu viel Druck auf das zerbrechliche Material zu geben.

Nun widme ich mich dem Netzteil. Dieses wie auch alles andere ist erfreulicherweise noch im Originalzustand und nicht verbastelt. Die zwei Becherelkos sind sehr speziell. Im ersten Becher befinden sich 2 Niedervolt Elektrolytkondensatoren und im zweiten Becher sind eine Niedervolt- und einen Hochvolt Elektrolytkondensator vereint. Die Messwerte dieser Becher rufen nach Ersatz. Aber wie sieht das an dieser Stelle mit modernen Kondensatoren aus?

Ich finde das geht gar nicht und die Optik des Originalzustands muss erhalten werden. Neu befüllen scheidet ebenfalls als Option aus. Für einen neuen Hochvoltelko könnte man noch ein Versteck finden, aber für 3 x 1200µF eher nicht. Dazu ist das Chassis zu kompakt aufgebaut. Also werde ich diese drei Elkos versuchen zu formieren um ihnen so neues Leben einzuhauchen.
Mein selbst gebautes Gerät fängt bei 75 Volt an, zu viel für die 12/15Volt Elkos. Also bekommt mein Gerät ein Upgrade, indem ich es um einen externen Eingang für kleine Spannungen erweitere. Ein Eisenbahntransformator wird wieder in den Dienst gestellt und es kann los gehen.

Die nächsten Tage kann der Kleber der Ferritantenne gut durchhärten, während die Elkos sich im Wellnessurlaub befinden.
Hinter dem Fach der Heizbatterien sitzt ein weiterer Elko des Netzteils. Dieses kleine Versteck ist optimal, um zusätzlich dem Hochvoltelko, aus einem der Becher, ein Plätzchen zu geben.



So, alle verdächtigen Kondensatoren sind geprüft, einige ausgetauscht und die Elektrolytkondensatoren mit neuen Leben erweckt. Die Prüfung der Röhren war erfolgreich, sind sie doch alle in einem fast neuwertigen Zustand. Die Wellenschalter und Potis sind alle gründlich gereinigt. Auch der Stabilisator für die Heizspannung ist geprüft und noch funktionsfähig.

Hier ist wichtig die Kontaktflächen des dazugehörigen Wahlschalters gut zu reinigen, damit die Röhren vor zu hoher Heizspannung geschützt bleiben. Auch der Umschalter für Batterie und Netz ist wieder frisch.
Jetzt kommt der spannende Moment. Und Ta-taa, das Pinguin U56 macht auf Anhieb das was es soll, wie man in dem kleinen Video sehen und hören kann.
Mathias hat wie immer bei der Restaurierung des Gehäuses des Pinguin U56 ganze Arbeit geleistet.
Und so sieht das gute Stück jetzt aus:

- Eine weitere Kofferradio-Reparatur von Dietmar: Turf
- Hier erfahren Sie, welche Geräte die Radioklinik repariert.
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