Philips Berlin 200W

Reparaturbericht Philips Berlin 200W (Baujahr 1948)

Zurück zu den Wurzeln des Jahres 1948

Eigentlich wollte ich nach einschlägigen Erfahrungen kein älteres Gerät mehr erwerben, das aus den neuen Bundesländern stammt. Aber bei diesem Philips konnte man eigentlich für 20 Euro nicht allzu viel falsch machen. Das Gehäuse war soweit in Ordnung und das Chassis – soweit die Abbildung zeigte – eigentlich auch.

Der Philips Berlin war eines der ersten Nachkriegsradios und wurde in verschiedenen Ausführungen gebaut, mit unterschiedlicher Röhrenbestückung (E und U-Röhren), teilweise mit Magischem Auge, oder auch nicht. Mein Gerät jedenfalls hatte keines. Die Technik basiert weitgehend auf Bauteilen der Vorkriegszeit. Die AZ 1 werkelt im Netzteil, eine EBL 1 sorgt als Endröhre für den Sound und zwei ECH 4 dienen als Misch- bzw. als Vorverstärkerinstanz. Soweit jedenfalls der Schaltplan für das Original.

Bei dem vorliegenden Gerät, dass im Herbst zur Ausfüllung von abendlichen Mußestunden dienen sollte, war (fast) alles anders. Die Mischröhre war durch eine ECH 11 ersetzt worden, incl. Sockel und Verdrahtung. Bei der zweiten ECH 4 (u.a. Vorverstärkung) war als einziges das Meiste nahezu unverändert. Und wo die EBL 1 hingehört befand sich ein monströses Umbauteil, das eine 6H6 zusammen mit einer 6V6 beherbergte. Anstatt der AZ 1 hatte einer der Vorbesitzer in einem VY2-Sockel zwei Gleichrichter untergebracht. Die einzig positive Veränderung: Anstatt eines Widerstandes zwischen den beiden Elkos befand sich eine voll funktionsfähige Drosselspule.

Zwischenzeitlich habe ich das komplette Radio wieder weitgehend in den Originalzustand versetzt. Eine sehr lehrreiche Aufgabe, denn es galt Schritt für Schritt nach Schaltplan das Gerät wieder aufzubauen. Angefangen mit dem Netzteil, wo jetzt wieder eine AZ 1 Dienst tut, bis hin zum Lade- und Siebelko. Hier wurden zwei Alu-Gehäuse mit jeweils einem 47 uF Elko neu befüllt und mit der Drosselspule verbunden.

Allerdings ist das Gerät nur für 110 resp. 220 Volt Wechselstrom ausgelegt. In meinem Haushalt beträgt die Spannung durchweg rund 240 Volt (oft auch mehr), so dass ein entsprechender Widerstand (100 Ohm, 10 Watt) erforderlich ist, um Heiz- und Anodenspannung in den erforderlichen Grenzen zu halten.

Als defekt stellte sich auch das Lautstärke-Poti mit dem Ein-Aus-Schalter heraus. Da war nichts mehr zu retten, hier musste Ersatz beschafft werden. Jetzt galt es alle Widerstände und Kondensatoren in zweierlei Hinsicht zu überprüfen: 1. Auf Funktion und 2. auf korrekten Einbau mit Blick auf die wieder hergestellte original Röhrenbestückung. Bei den Kondis war eine Komplett-Tausch unausweichlich. Zwar waren teilweise hochwertige Keramikkondensatoren nachträglich verbaut, aber deren Belastungswerte lagen deutlich unter dem Soll. Was nachträglich von RFT & Co. verbaut worden war, erwies sich als unbrauchbar. Die meisten Widerstände waren noch durchaus brauchbar.

Beim ersten Testlauf heizten die Röhren korrekt auf, aber die NF brachte außer einem müden Krächzen keine Reaktion, auch nicht direkt am Gitter 1 der Endröhre. Erst mit Hilfe von Signalgenerator und Oszi konnte der Fehler eingegrenzt werden. Bei dem Gerät wurde häufig abgeschirmtes Kabel – auch als Masseverbindung – verarbeitet. Ein kleines Stück dieses Kabels, und zwar das, zwischen Lautstärkeregelung und Gitter der ECH 4 (Vorverstärkung), hatte einen Masseschluss.

Nachdem dieser Defekt beseitigt war, präsentierte sich das Gerät als überaus empfangsstark, sowohl auf Mittel- als auch auf beiden Kurzwellen (25 und 49 m Band). Eine wichtige Voraussetzung ist allerdings eine solide Erdung und Antenne, dann lässt sich abends einiges an Empfangsleistung herausholen. Was gab es sonst noch? Der hochohmige Anschluss für Zweitlautsprecher wurde aus Sicherheitsgründen (hohe Spannung) dauerhaft abgedeckt.

Philips Berlin 200W Innenleben

So sah das Chassis beim Eintreffen…
Innen
… und so nach der Wiederherstellung aus.
front original
Gehäuse vor …

front
… und nach der Aufarbeitung.

origanal unten
Ein Blick in den „Bauch“ vor der „Operation Wiederherstellung“ …

draht neu
… und nach der Neuverdrahtung und Rekonstruktion.

Kondis 1
Unbrauchbare Kondensatoren und Poti

Kondis 2
Diese Kondis stammen durchweg aus der Vorkriegsproduktion, sind aber mit Blick auf 250 Volt nicht passend gewesen.

roehren alt
Diese Röhren resp. Dioden gehören nicht in dieses Gerät – weder optisch noch technisch.

uebeltaeter
Diese abgeschirmte Leitung sorgte für Masseschluss im NF-Bereich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.