Nordmende Fidelio 56: Hoffnungslos?

Erinnerung an die Großmutter

Ein junger Mann meldete sich bei der Radioklinik. Er hatte im Keller seiner Großmutter ein altes Nordmende Radio gefunden, an dessen guten Klang er sich noch gut erinnern konnte.
Das Gerät vom Typ Fidelio 56 stand leider einige Jahre in einem sehr feuchten Keller. Der junge Mann erkannte schnell, dass seine Kenntnisse nicht ausreichten, den Apparat wieder herzurichten und wandte sich daher an die Radioklinik.

Erster Eindruck: Hoffnungslos

Wie im „Homeofficebetrieb“ üblich baten wir um ein paar Bilder vorab und berieten in einer unserer Onlinesitzungen über den Fall.


Die Meinung der Radiodoktoren war einhellig.
Exitus.
Dieser Nordmende hat den Keller nicht überlebt.
Aber die Geschichte des Geräts hat doch dazu geführt, dass sich die Radiodoktoren ein Herz fassten und den wirklich hoffnungslosen Fall in die Patientenliste aufnahmen.

Doch in die Radioklinik?

Wenige Wochen später war der Apparat dann auf dem Werktisch. Welch ein Anblick: Skalenseil von Mäusen gefressen, Rückwand angenagt, Korrossion, welliges Furnier, massive Feuchtigkeitsschäden.


Hier wurde eine Radikalkur nötig. Kurz mit dem Besitzer gesprochen und dann wurde ein Spendergerät gesucht, das sein Gehäuse und alle benötigten Ersatzteile spenden sollte. Soviel wie möglich sollte von Omas Radio bleiben.

Organtransplantation!

Nach ein paar weiteren Wochen wurde in rund 260 Kilometern Entfernung ein adäquater Spender gefunden und gekauft. Auch dieser Apparat hatte altersbedingt schon seine Probleme.

Nun wurde das alte Chassis von Omas Radio erst einmal soweit möglich zerlegt. Vieles war verrostet und verrottet. Es gelang einige klangbestimmende Bauteile vom Original zu übernehmen. Die Kondensatoren waren wie üblich total hinüber und wurden durch Neue ersetzt.
Auch bei der Röhrenbestückung das Übliche: EM34, EABC80, ECH81 und ECC85 waren total platt. Und das auch beim Spender. Nach Rücksprache wurde die extrem teure EM34 durch die sehr ähnliche, russische 6E5S ersetzt. Auch die anderen verbrauchten Röhren wurden durch gute Röhren aus dem Bestand des Radiomuseums ersetzt. Die EL84 von Oma war hingegen noch gut. Sie wurde wieder verwendet.

Gehäuse: Auch beim Spendergehäuse noch viel zu tun

Nun ging es an das Gehäuse: Die Befestigungen für die seitlichen Lautsprechergitter waren beim Spender kaputt. Hier wurden die Originale von Omas Gerät wiederverwendet. Auch die Schallwand mit dem Hauptlautsprecher wurde vorsichtig gereinigt und darf nun weiterwerkeln.
Das Skalenglas hatte gelitten. Es wurde ersetzt.
Alle Kunststoffteile wurden ausgebaut und mit „Frosch-Fettlöser“ gereinigt.
Mit einigem an „Poliboy-Möbelpolitur“ wurde das Gehäuse dann noch ordentlich gestreichelt.

Probelauf: Nicht alles OK!

Nun ging es an den Zusammenbau. Dann Probelauf.
Ähm… Da stimmt doch was nicht?
Der Netzschalter ist defekt!
So ein Mist. Eines der unzugänglichsten Teile überhaupt bei diesem Gerät!
Also wieder auseinander. Omas Netzschalter geprüft. Ok. Wenigstens etwas. Aber allein zum Wechseln des Netzschalters waren wieder drei Stunden Arbeit nötig.

Patient geheilt! Erinnerung gerettet!

Endlich alles geschafft.
UKW, Mittelwelle, TA… Alles geht.
Tonhöhe, Klangtasten…
Omas Radio ist sozusagen dem Sperrmüllmann von der Schippe gesprungen.
Das Gerät konnte einem sichtlich zufriedenen Besitzer zurückgegeben werden.

2 Gedanken zu “Nordmende Fidelio 56: Hoffnungslos?”

    1. Hallo, Peter
      Es freut uns auch, dass unsere Arbeit gewürdigt wird.
      Natürlich werden wir weiter „am Ball bleiben“ und auch diese Homepage verbessern.
      Ich arbeite z.B. gerade an einem Newslettersystem, damit ich nicht alles von Hand machen muss.
      Das muss natürlich auch vom Datenschutz her einwandfrei sein. Daher ist es etwas mehr Aufwand…
      Aber man macht’s ja gern.

      Grüße
      Wolfram

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