Ein Reparaturbericht zu einem Luna-Stereo 5741W von Michael Heid
Von Mathias erhielt ich das Chassis eines Loewe-Opta-Radios zur Überholung. Das Gerät trägt den Namen „Luna-Stereo 5741W“, ist bereits ein Platinengerät und mit zwei EL84-Endröhren bestückt. Mathias berichtete, dass das Gerät auf UKW grundsätzlich spielt, dabei jedoch kracht und rauscht.
Im Homeoffice angekommen, wurde das Chassis zunächst inspiziert. Die Netzsicherung zerfiel bereits beim Herausnehmen und musste ersetzt werden. Auf der Primärseite des Trafos befand sich ein Kondensator gegen Masse, den ich entfernt habe. Wie in anderen Berichten erwähnt, ist dieser heutzutage entbehrlich und stellt eher ein Sicherheitsrisiko dar.
Der Becherelko sah zwar noch gut aus, entsprach jedoch weder den im Schaltplan angegebenen Werten, noch passte der Widerstand zwischen Sieb- und Ladeelko. Ein klarer Hinweis darauf, dass hier bereits jemand etwas repariert hatte.


An einer Spule in der Nähe des Antenneneingangs waren beide Anschlussdrähte direkt am Spulenkörper abgerissen. Nach Rücksprache mit den erfahrenen Kollegen der Radioklinik stand fest: Diese Spule bildet zusammen mit einem Kondensator die ZF-Sperre und verhindert, dass die AM-Zwischenfrequenz über die Antenne abgestrahlt wird und andere Geräte stören kann.


Da kein Ersatz zu finden war, wurde mir geraten, eine Reparatur zu versuchen. Also: Pinzette und Lupe heraus, isolierten Lackdraht von einer alten Spule abgewickelt und die feinen Drähte an die kaum noch vorhandenen Enden angelötet – natürlich zuvor vorsichtig den Lack entfernt. Mit dem Komponententester aus dem Fernen Osten prüfte ich die Induktivität – die Werte waren plausibel. Schließlich gelang die Reparatur, und eine Schicht Isolierlack schützte das Ergebnis.




Nach Prüfung der wichtigsten Kondensatoren und Widerstände fuhr ich das Luna-Stereo behutsam am Trenntrafo zunächst mit Vorschaltlampe hoch. Die Stromaufnahme war unauffällig, und nach einiger Zeit spielte das Gerät auf UKW. Auf allen AM-Bändern war jedoch nur ZF-Rauschen zu hören. Eine Untersuchung zeigte: An der Anode des Triodenteils der ECH81 lag keine Spannung an, der Oszillator arbeitete also nicht. Ursache war ein unterbrochenes Drähtchen vom Tastensatz zu einer Spule. Nach der kleinen Reparatur funktionierte der AM-Empfang wieder – zumindest teilweise.

Auf Kurzwelle war nämlich nichts zu hören. Auch hier war die Ursache schnell gefunden: Eine weitere Spule im Tastensatz des Luna-Stereo war außer Betrieb. Ein Draht war am Spulenkörper abgerissen, die übrigen drei Anschlüsse waren offenbar durchtrennt worden. Ein Bastler vor mir hatte den Teil der Spule, über den normalerweise die Anodenspannung zur ECH81 läuft, mit einem grünen Draht überbrückt.

Inzwischen geübt im Spulen reparieren, stellte ich den korrekten Zustand nach Schaltplan wieder her – und der Kurzwellenempfang funktionierte auch wieder wunderbar.


Nachdem die Grundfunktionen des Luna-Stereo wiederhergestellt waren, kümmerte ich mich um die Details.
Der Becherelko entsprach weder den Nennwerten noch der Kapazität und musste ersetzt werden. Ich fand einen alten Becher mit passendem Aufdruck und bestückte ihn innen mit modernen Elkos, um die originale Optik zu erhalten.


Auch der alte Selen-Brückengleichrichter hatte ausgedient. Er wurde rasch heiß, und die Ausgangsspannung war zu niedrig. Auch was mir auf dem Oszilloskop angezeigt wurde, gefiel mir nicht. Um die Optik im Luna-Stereo zu bewahren, öffnete ich ihn, ersetzte die Innereien durch vier Siliziumdioden und setzte zusätzlich einen passenden Widerstand zwischen Gleichrichter und Becherelko, damit die Anodenspannung wieder passt.



Die im Gerät verbauten Philips-Kondensatoren galten als zuverlässig und mussten nicht getauscht werden.


Alle Schaltkontakte und Potentiometer wurden gereinigt.
Damit die Heizspannung der Röhren stimmt und der Trafo – der nur eine 220-V-Einstellung besitzt – beim Betrieb am 230-V-Netz entlastet wird, wurde primärseitig ein Vorwiderstand eingesetzt.

Der Klang des Luna-Stereo war zunächst recht dünn. Eine Kontrolle zeigte, dass der Kathodenelko statt der vorgesehenen 100 µF nur noch etwa 4 µF hatte. Nach dem Austausch klang das Radio wieder deutlich voller. Die übrigen Elkos, etwa der Ratio-Elko, wurden vorsorglich ersetzt und waren messtechnisch sogar noch akzeptabel.


Mit etwas Hilfe prüfte ich abschließend alle Röhren – sie waren alle durchweg brauchbar bis sehr gut.

Mathias hat das Gehäuse optisch aufbereitet und ich finde das Luna-Stereo kann sich wirklich sehen (und hören) lassen.



- Ein weiterer Reparaturbericht: Minerva
- Hier erfahren Sie, welche Geräte die Radioklinik repariert.
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