Reparaturbericht zu einem Akkord Radio Offenbach Junior Baujahr 1951/1952 von Bernd Schmeling:

Durch Zufall entdeckte ich bei einem Bekannten dieses kleine Batterieröhrenradio Offenbach Junior. Er hat es aus einer Dachbodenentrümpelung und hat es mir für einen Freundschaftspreis überlassen. Ein nettes kleines Mittelwellenradio aus den `50er Jahren, kaum größer als eine Frühstücksdose. Insgesamt war es in einem recht traurigen Zustand, der Rückwandverschluss weggebrochen, das Bodenscharnier war wegkorrodiert, die Rückwand hing daran traurig herab. Die Halter für die Monozellen am Zerbröckeln, die Lautsprecherabdeckung zerbeult, Drehknöpfe marode und am Achstrieb schon gespalten. Das Thermoplastgehäuse hat schon einiges erlebt, wie man an den geklebten Rissen sehen kann.


Nach Ausbau des Offenbach Junior Chassis stellte sich dasselbe in einem gar nicht so üblen Zustand dar. Zwar verstaubt aber wohl bereits einige Male halbwegs sauber repariert. Nun wurden obligatorisch die Röhren geprüft. – Zwei Röhren gut, zwei ohne Funktion, zum Glück gab es Ersatz dafür.

Die Kondensatorkur war nun fällig. Der erste Gedanke, die Kondensatoren neu zu befüllen, musste ich (bis auf den Becherelko) aufgeben. Die alte Bauform (lang, schmal) eignet sich nicht als Behältnis für die neuen Kondensatoren. Diese sind zwar insgesamt kleiner, aber viel zu dick, um in die alten Hülsen zu passen.





Beim Arbeiten stellte sich heraus, dass der Vorteil eines kleinen, handlichen Chassis des Offenbach Junior auf dem Tisch zum Teil auch etwas tückisch sein kann, da nun alles sehr eng und komprimiert gebaut ist. Teilweise Bauteildrähte, die im Millimeterabstand kreuz und quer aneinander vorbeigehen und ganz wunderbar und betriebssicher mit … Luft … voneinander isoliert sind.



Also: Alles abgebaut, was im Weg war, und mit den unteren Schichten der Kondensatoren beginnend (diesmal allerdings mit Isolierschlauch gesichert) und alles nach oben wieder aufgebaut. Für die Versorgung mit Netzspannung war der Selen-Plattengleichrichter bereits durch einen Einweg-Flachgleichrichter ersetzt. Das konnte natürlich auch so nicht bleiben. Daher als Substitut eine Siliziumdiode in Reihe mit einem Widerstand eingebaut. (56 Ohm erwies sich hier als glückliche Schätzung, wie die spätere Messung von Heiz- und Anodenspannung ergab). Die Umschaltung auf 110V habe ich dann doch lieber unterbrochen, da diese über einen prominent am hinteren Teil des Chassis herausgeführten Standard-Kippschalter verwirklicht war.

Nun kam der spannende Moment das Offenbach Junior auszuprobieren. Die Röhren wurden gesteckt, eine provisorische Anodenbatterie (8 x 9V – Blöcke) und die zwei Monozellen in den neu eingebauten Batteriehaltern wurden installiert. Heiz- und Anodenspannungen waren im vorgeschriebenen Bereich, aber zu hören gab es noch nichts. Lautstärkeregler hin- und herbewegt.. ein leises Kratzen. Voller Erwartung den Prüfsender angeschaltet, und tatsächlich war dieser auf der Skala klar und deutlich einstellbar. Nun das Gleiche mit Netzstromversorgung über den Regeltrenntrafo. Glück gehabt mit den Vorwiderständen. Sollspannungen leicht überschritten, nur wenig Netzbrummen, dafür aber sehr viel empfindlicher im Empfang.

Die Gehäusereparatur gestaltete sich zum Teil recht schwierig. Zunächst einmal musste ein passender Eisendraht für das Scharnier gefunden werden und dem Muster entsprechend passend gebogen werden. Die Aufnahme des Scharnierdrahts im Gehäusedeckel war natürlich durch den Korrosionsrost völlig verstopft und musste unter Materialverlust freigebohrt werden. Eine eingeklebte Aderendhülse brachte wieder Stabilität. Die fehlende Verschlussklammer und der abgebrochene Verschlusszapfen an der Rückwand wurden durch einen Magnetverschluss ersetzt. Die gespaltene Drehknopfachse mit Draht umwickelt, zusammengezogen und mit Sekundenkleber fixiert. Lautsprechergitter so weit wie möglich ausgebeult und alles nochmal schön mit Cockpit-Pflegetüchern aufpoliert.

Nachdem alles zusammengebaut war, wollte ich das Offenbach Junior nochmal testen. Als ich es auf Batterie anschaltete hatte ich plötzlich Empfang, klar und deutlich auf 540 kHz irgendeinen ungarischen Sender, in völlig klarer und recht lauter Qualität.
Ein hübsches, kleines Radio wieder zum Leben erweckt. So macht Reparieren Spaß.
Wenn ich mir nun das fertige rote Offenbach Junior so anschaue, wirkt es wie ein Kinder- oder Jugendzimmerradio, das vielleicht auch schon einen Nachmittag im Schwimmbad oder am Badesee erlebt hat.
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