Reparaturbericht zu einer Minerva 506 W von Bernd Schmeling
Diese Minerva 506 W hatte ich in Kleinanzeigen entdeckt. Angeboten wurde es zusammen mit einem Verkaufsprospekt sowie einer Originalrechnung des Käufers. Da mir Form und Größe sehr gefallen haben, habe ich es dann für wenig Geld gekauft.



Zunächst wurden der alten Dame die Röhren zur Prüfung gezogen. Diese waren alle noch in brauchbarem Zustand, das magische Auge allerdings wie üblich etwas matt. Das Chassis wurde ausgebaut und gründlich entstaubt.
Wie sich herausstellte war die Sendereinstellung nahezu blockiert. Der übliche Verdächtige -also der Drehkondensator- war nicht der Schuldige. Vielmehr waren sämtliche Seilrollen und besonders die Drehknopfachse verharzt, so dass sich kaum noch was rührte.
Bei weiterer Durchsicht des Skalentriebs zeigte sich, dass das Hauptseil eine franselige Stelle hatte. Das Seil muss gewechselt werden!
Also wurde die Skaleneinheit des Minerva 506 W ausgebaut und zur Dokumentation aus allen Perspektiven fotografiert. Nochmals in die Hand genommen, um den Verlauf des Stahlseilsystems (welches für den Skalenbalken und die Kurzwellenlupe zuständig ist) und die Gängigkeit der einzelnen Teile zu überprüfen, machte es „Sproing“, und das Gefransel hatte sich zu zwei Teilen verabschiedet. Folge war, dass die große Seilscheibe sich aus ihrer Federspannung befreit hatte, und einige Pirouetten drehend, sämtliche Seile von Umlenkrollen und Führungen abgeworfen hatte. Ein richtig schöner Stahlseilsalat.






Als ich mir das Ergebnis anschaute, hätte ich nicht geglaubt, dass man das überhaupt wieder so zusammenbekommt, wie es mal war. Nach ziemlich langem Gefummel und Probieren hatte ich dann ein neues Seil eingezogen und alles wieder gerichtet.
Überraschung war ein verborgener Zentrierbolzen auf der Rückseite des Skalenblechs, auf den man die Skalenscheibe zur leichteren Montage absetzen konnte. Das Ganze hat jedenfalls reichlich Nerven gekostet, ich war heilfroh, das wieder zusammen zu haben!
Da mir die alten Original – Bauteile des Minerva 506 W einfach viel besser gefallen, als die heute erhältlichen, habe ich alles, was möglich ist, für die obligatorische Kondensatorkur „entkernt“ und neu befüllt.
Zunächst war der Becherkondensator dran, danach der Koppelkondensator. Nun konnte das Ganze mal vorsichtig und unter einer Vorschaltlampe am Regeltrafo in Betrieb gehen. Oha! Auf KW war tatsächlich schon was los! Allerdings nur sehr leise.






Eine weitere Schaltplanstudie des Minerva 506 W zeigte einen zweiten Kondensator, der in Reihe mit dem Koppelkondensator geschaltet ist. Ausgetauscht — und — Ja! Richtig schönes lautes Orientgedudel aus dem Lautsprecher. Und das mit einer 1 Meter Prüfschnur als Antenne im Keller! Skala weiter durchgedreht – Chinesen, Russen, alles da! Hurra! Einfach zauberhaft!
Alles was jetzt noch an Kondensatoren austauschbar war wurde umgebaut und ausgetauscht. – Erfolg beflügelt!
Und da eine altgediente Lehrerin wie die Minerva 506 W nicht gerne schmuddelig umherläuft, war klar, dass hier auch noch was am Äußeren getan werden muss. Also Bakelitknöpfe gereinigt und poliert. Nachgeforscht, was man am besten mit dem Lack des Holzgehäuses anstellt. Der Lack sollte ruhig so bleiben, eine recht dünne Mattlackierung war Vorgabe.
Also, in Foren nachgeschaut. Einer der „Spezialisten“ schlug vor, erst mal alles mit Spiritus zu säubern und danach eine Ballen-Mattierung vorzunehmen. Klang gut, aber da ich ein misstrauischer Mensch bin, habe ich das mit dem Spiritus erst mal an der Unterseite des Radios getestet – zum Glück. Der Lack hing am Lappen!
Stattdessen war Möbel-Regenerator nun das, was ich angewendet habe. Da der Lack noch eigentlich ganz gut in Schuss war, war das auch völlig ausreichend.






Das Gehäuse sieht top aus, die Minerva 506 W ist noch viel schöner geworden, als ich gehofft hatte. Dadurch, dass es nicht auf fabrikneu gemacht ist, hat es den Vintage-Charme eines alten Gerätes behalten und wirkt wunderbar authentisch.

Übrigens: Wer gerne wissen möchte warum ich die alte Dame als „Lehrerin“ bezeichne, fragt am Besten seine Kinder (kleiner Spoiler: Ihr wirklicher Name war Maggie Smith).
- Wie man Kondensatoren neu befüllt lesen Sie hier: Glasrohrkondensatoren
- Ein weiterer Reparaturbericht: Aus Schweden
- Hier erfahren Sie, welche Geräte die Radioklinik repariert.
- Klicken Sie hier für Informationen über das Radio-Museum Linsengericht e.V.