Ein Reparaturbericht zu einem Telefunken Sessel-Phonosuper „Teewagen“ 3976 WKS von 1939 von Wolfgang Ruf
Die allermeisten Anfragen, die die Radioklinik erreichen, betreffen klassische 1950er-Geräte. Umso spannender also, wenn es sich um ein deutlich älteres Radio handelt und noch viel spannender, wenn es sich um eine Seltenheit handelt. Telefunken baute um 1939 den Sessel-Phonosuper 3976 WKS, genannt „Teewagen“. Das etwa kniehohe Gerät steht auf Rollen und wird oben mit Glastüren verschlossen. Es war ein Luxusgerät seiner Zeit, welches etwa 575 RM gekostet hat. Für manche Menschen war das seinerzeit ein halbes Jahresgehalt und mehr.

Dieser Teewagen steht im Radio-Museum Linsengericht e.V.
Da der stolze Besitzer des Teewagens selbst technisch versiert ist und den eingebauten Plattenspieler selbst reparieren konnte, baten wir ihn, das Radiochassis inklusive Lautsprecher auszubauen. So ein Teewagen ist mit 35 kg trotz seiner Rollen auch nicht unbedingt mobil.
Der Besitzer reiste aus der Gegend von München an und brachte das seltene Gerät zur Radioklinik.
Da es aufgrund der Größe und der zu erwartenden mechanischen Arbeiten einfacher erschien die Arbeiten nicht im Museum durchzuführen, nahm ich das Gerät in die heimische Werkstatt mit.

Zunächst wurden alle Kondensatoren des Teewagens erneuert. Dabei wurden die originalen Hülsen geleert, mit neuen Kondensatoren gefüllt und mit Teer verschlossen. Kleine Kondensatoren sind meist lang und dünn und können nicht mit neuen Typen, die meist kurz und dick sind, befüllt werden. Daher kamen Styroflex-Kondensatoren zum Einsatz.

Den Ersatz für vier defekte Elkos hatte ich glücklicherweise noch in meiner Sammlung.
Ein Großteil der Röhren des Teewagens, ACH1, AF7, AZ1 waren verbraucht. Die AL4 war tot, aber die AB2 und die AM2 noch gut. Nachdem diese mit guten Röhren ausgetauscht waren, zeigten sich viele Fehler in den HF-Schaltungen.

Versuchsweise tauschte ich fünf Trimmer aus. Dadurch zeigte sich keine Verbesserung beim Einstellen des Teewagens. Baugleiche Trimmer standen leider nicht zur Verfügung…
Die Fest-Kondensatoren aus Keramik mit Glimmer und Silber wurden durch Styroflex-Kondensatoren erneuert.
Der Oszillator konnte nach vielen Stunden der Fehlersuche und Bastelei in allen Bereichen abgeglichen werden. Leider hat der Drehko am Skalenende eine Unterbrechung, aber da der Kunde damit kein Problem hatte, beließ ich es dabei.

Am Ende gab es noch einen Verdrahtungsfehler im Eingangskreis auf Mittelwelle. Die KW-Spule war am Trimmer der Mittelwelle angeschlossen. Das hatte zur Folge, dass die wenigen Windungen der Spule MW sich kurzgeschlossen haben. Zur Reparatur musste die Pertinaxplatte demontiert werden, die KW-Spule richtig angeschlossen werden und wieder montiert werden.

In den späten Nachtstunden empfing der Teewagen jetzt doch einige Sender!
Der Besitzer hat sein Gerät zufrieden abgeholt.
Einen Teewagen finden Sie übrigens auch im Radio-Museum! Und auch das Gerät ist voll funktionsfähig.
Und hier ein Hinweis an die monatlichen Leser:innen: Die Reparaturberichte haben Sommerpause, ab September gehts weiter. Das Museum und die Radioklinik haben, wie gewohnt, geöffnet.
- Auch in der Ausstellung: Sprechendes Radio
- Hier erfahren Sie, welche Geräte die Radioklinik repariert.
- Klicken Sie hier für Informationen über das Radio-Museum Linsengericht e.V.