Reparaturbericht zu einem Valvo RRF1 Empfänger von Gerold Welzel
Ein lieber Spender hat uns ein sehr seltenes Valvo RRF1 von 1928 zukommen lassen. Dazu auch noch einen zeitgenössischen Lautsprecher.

Bei der Suche nach Unterlagen zu diesem Gerät ist aufgefallen, dass es baugleich zum Philips 2515 ist. Kein Wunder, denn die Valvo Werke Hamburg, ursprünglich C.H.F.Müller Hersteller von Röntgenröhren, fusionierten 1927 mit Philips. Unser Gerät wurde in Hamburg gebaut. Ein Audion mit einer NF-Verstärkerstufe für Netzbetrieb.

Nun sollte das stark verschmutzte und verrostete RRF1 wieder museumsgerecht aufgearbeitet werden. Der gröbste Schmutz mit Pressluft beseitigt und eine Bestandsaufnahme gemacht. Oh je, die Gleichrichterröhre war vom Sockel getrennt. Einer der Vorbesitzer hat wohl in der englischsprachigen Literatur gelesen „radio with three lamps“. Das mit den Lampen hat er zu wörtlich genommen und versucht die Gleichrichterröhre herauszudrehen. Dabei haben sich die Anschlussdrähte der Röhre 3mal um den Vakuumpumpstutzen gewickelt, bis sie schließlich abgerissen sind. Das jähe Ende einer alten Gleichrichterröhre! Die anderen beiden Röhren wurden verschont und mussten nur in den Sockeln neu eingeklebt werden. Auf dem Röhrenprüfgerät hatten beide gute Werte.


Nun das Gehäuse aus Stahlblech. Valvo hat, wie auch bei Philips üblich, einige Gehäuseschrauben in einer Hülse versteckt und mit Wachs vergossen. Sinn war wohl, dass nur fachkundige Personen das Gerät öffnen sollten. Das hat auch hier gut funktioniert. Die Schrauben waren noch ungeöffnet. Trotzdem war der Drang, ins Innere des Gerätes vorzudringen, zu groß gewesen. Einer der vorherigen Reparateure hat sich wohl an die Fischdose vom letzten Abendessen erinnert. Dort gab es ja auch keine Schrauben, also wurde die Fischdose aufgebördelt. So auch das Gehäuse des RRF1. Dann gab es eine weiter versteckte Schraube, sodass das Innere des Chassis unberührt blieb. Zum Glück!
Für die Restaurierung des Gehäuses kam mir der schlechte Zustand entgegen. Die Gehäuseteile wurden vom Rost befreit, mit Rostumwandler behandelt und anschließend mit einem Strukturlack neu lackiert. Dann konnte es wieder liebevoll zusammengebördelt werden. Auf der Oberseite des RRF1 gibt es ein Fenster mit Zeiger für die Skala der Sendereinstellung. Das originale Fenster war total vergilbt und undurchsichtig und wurde durch ein Plexiglasfenster ersetzt.

Das innere Chassis des RRF1 ist sehr kompakt aufgebaut und musste komplett zerlegt werden um an alle Kondensatoren zu kommen. Die Kondensatoren wurden vorsichtig ausgeräumt und neu befüllt. Auch der große Blockkondensator musste diese Kur über sich ergehen lassen (siehe Bilder).
Interessant ist auch die Variometerspule mit der die Rückkopplung realisiert wurde. Hier wurden die Windungen der Spulen mit etwas Kleber neu fixiert. Nach dem Zusammenbau des Chassis ist von allen Eingriffen nichts mehr zu sehen. Auch das Netzkabel musste erneuert werden, natürlich mit stoffummanteltem Kabel. Dabei wurde auch ein Schutzleiteranschluss hergestellt. Dies ist zwar nicht original, aber bei einem Netzgerät mit Metallgehäuse zwingend notwendig. Sicherheit geht vor! Eine neue Gleichrichterröhre aus unserem Museumsbestand eingesetzt und dann das Gerät vorsichtig eingeschaltet. Zuerst mit einer Vorschaltglühlampe am Trenntrafo.


Die Stromaufnahme ist in Ordnung, es kann normal betrieben werden. Das RRF1 Radio spielte auf Anhieb, die Rückkopplung setzt sehr weich ein, so weit so gut. Doch das Gerät brummte sehr stark im 50 Hz Takt. Ich hatte das Chassis offen und am NF-Ausgang einen recht guten hochohmigen Kopfhörer angeschlossen. Mehrere Abende habe ich nach der Ursache des Brummens gesucht. Die Siebung provisorisch verbessert, Erdung hin und her, das Gerät ist auch sehr handempfindlich. Alles hilft nicht! Manchmal sitzt das Problem halt vor dem Radio.
Nach langem Suchen habe ich das Gerät dann in das originale Blechgehäuse geschoben und einen alten Kopfhörer benutzt. Das Brummen ist fast weg! Mein erster Testkopfhörer hat einen viel zu guten Frequenzgang und ist für solch alte Geräte nicht optimal geeignet. Die Verdrahtung des RRF1 ist nach heutigen Gesichtspunkten auch nicht gut, lange Anschlussdrähte an den Röhren, Abblockkondensatoren weit weg von den Röhrensockeln. Das Metallgehäuse wird unbedingt zur Schirmung benötigt. Das hätte ich mir aber auch denken können!
Nun zum Abschluss noch den alten Lautsprecher restauriert. Er lässt sich sehr schön zerlegen. Die Risse in der Membrane aus Ölpapier konnte ich gut mit Kaffeefilterpapier und Ponal unsichtbar flicken. Die Kunststoffblende und der Fuß wurden mit Auto Hartwachspolitur in den Neuzustand versetzt. Das Gebersystem ist wie bei einem alten Kopfhörer, nur größer, wurde gereinigt und mit einem neuen Anschlusskabel versehen. Der Blechtrichter musste entrostet und mit Strukturlack neu lackiert werden. Nach dem Zusammenbau wurde der Trichterlautsprecher noch auf den besten Klang eingestellt. Dazu gibt es zentral auf der Rückseite eine Einstellschraube.


Toll wenn solch ein altes Gerät nach 96 Jahren wieder zum Leben erweckt werden kann. Nun darf man das Valvo RRF1 im 20er/30er Raum unseres Museums wieder bewundern.
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